Atlantiküberquerung

Route, wie B. telefonisch durchgegegeben
Route, wie B. telefonisch durchgegegeben

Wir schreiben den Sommer 2012, meine Familie und ich machen mit dem Trimaran Anakena einen Ausflug von Schleswig nach Maasholm. In Maasholm wurde vor Anker übernachtet. Zuerst hielt uns ein Discoschiff vom Schlaf ab und als endlich Ruhe einkehrte, saß einer auf Toilette (ein Eimer im Cockpit). Dies war für meine Frau zu viel und sie wünschte sich für das nächste Schiff, ein Boot mit Toilette. Auch wenn dies nicht ernst gemeint war, war mir der Wunsch meiner Frau Befehl und ich begann sofort mit der Suche, um ihren Wunsch zu erfüllen. Schließlich fand ich ein Segelboot, welches die Kriterien erfüllte.

Dieses Boot war schnittig, ausreichend komfortabel und finanzierbar. Die Pegasus ist sehr individuell gebaut. Drei Rümpfe, freistehende Masten, alles um unabhängige Offshore leben zu können. Es war Liebe auf den ersten Blick. Es lag in einem der schönsten Segelrevieren der Welt. Der Haken: es war nicht die dänische Südsee, sondern die Keys in Florida.

Es begann ein lebhafter E-Mail Verkehr. Viele Mails später, flogen wir nach Miami, um uns das Boot anzusehen und Probe zu segeln. Für meine Familie war es keine Liebe auf den ersten Blick, aber ich setzte mich durch und wir kauften das Boot, auch wenn meine Frau Bedenken hatte, dass das Boot für uns zu groß sei.

Die Idee war, das Boot kurz nach dem Kauf nach Deutschland zu segeln. Ich fand jedoch keine Mitsegler, da niemand während der Herbststürme segeln wollte. Das war schon ein komisches Gefühl, ein Boot gekauft zu haben, und es ein halbes Jahr liegen zu lassen, um es dann im Mai, der empfohlenen Zeit für Atlantiküberquerungen, hinüberzusegeln.

Wir suchten einen Ort, wo die Pegasus überwintern konnte. Im Wasser wollten wir sie nicht lassen, da es ja niemanden dort gab, der auf sie aufpassen würde. Wir trafen den Konstrukteur und Erbauer des Bootes Walter Schurtenberger, der in Key West lebt. Dieser bot uns an, das Boot bei ihm einzulagern. Die Idee war super, aber es gab da noch so ein kleines Problem. Denn wir durften das Boot erst zu ihm bringen, nach dem das Geld auf dem Konto der Verkäufer war. Dies war aber erst zu einem Zeitpunkt der Fall, an dem wir nicht mehr in Florida waren. Aus diesem Grund bot sich dann einer der Verkäufer an, das Boot mit Walter Schurtenberger nach Key West zu überführen.

Ein halbes Jahr lang haben wir uns informiert und Ausrüstung gekauft und alles Mögliche geplant. Wir lasen die Bücher von Wilfried Erdmann mit großem Interesse. Wir machten unseren Funkschein, meine Frau machte den Sportboot- See- Schein. Somit bin ich einer der wenigen glücklichen Männer deren Frau eine Segelyacht führen darf. Dann musste ja noch viel organsiert werden. An den Wochenenden saßen wir mit großen Checklisten beim Frühstück. Wir brauchten ein AIS, ein Satellitentelefon, das Wetter musste auch von unterwegs abrufbar sein. Meine Frau  legte eine Internetseite, www.tri-pegasus.de, an, auf der unsere Reise verfolgt werden konnte.

 

Und wir brauchten ein Visum. Bei unserem Besuch im Oktober wurde deutlich, dass die Aussage des Konsulats in Deutschland nicht ausreichend war. Dort wurde uns gesagt, dass wir ohne B2 Visum segeln durften. Aber vor Ort nachgefragt war das B2 Visum zwingend erforderlich, da sonst Strafen von mindestens 5.000 US$ verhängt wurden. Also verbrachten wir noch ein Wochenende in Berlin, um unser Visum zu bekommen. Unsere Liste umfasste dann auch noch die Bordapotheke. Zusammen mit meiner Mutter wurde diese dann gepackt. Gebraucht haben wir vorwiegend ein paar Pflaster, Antiseptische Salbe und H2O2 zur Wundinfektion, die Augentropfen und für unser Gastkind noch das Mittel gegen Reiseübelkeit.

 

Verpacken der Medikamente
Verpacken der Medikamente

Um unser ganzes Gepäck mitzubekommen, brauchten wir noch eine Servicekarte, welche uns zusätzliches Gepäck ermöglichte. Wir nutzten die komplette Gepäckmenge aus!

Pegasus in der Karibik
Pegasus in der Karibik

Nach einem sehr schönen Urlaub wurde die Crew in Miami ausgetauscht. Meine Frau und die Kinder verließen das Schiff und die Mitsegler kamen an Bord. In Miami wurde ein Riss im Großmast repariert und Ersatzteile für die Schmutzwasserpumpe besorgt. Auch ein zweiter AIS-Transponder wurde besorgt, da der erste nicht funktionierte.

Dem Wetterbericht zufolge, war ein schneller Aufbruch zwingend nötig, da der Wind auf Ost drehen sollte. Daher fuhren wir kurzerhand über Nacht mit dem Ziel Nassau los.

Kurz vor dem Erreichen von Cat Cay versagte der Autopilot und kurz danach auch das Ruder. Zum Glück war die Notpinne schnell bei Hand und so konnten wir durch eine dreißig Meter breite Gasse mit schroffen Felsen auf beiden Seiten 20 Minuten nach dem Einsatz der Notpinne fahren, um dann das Boot kurz darauf sicher vor einem kleinen Flughafen zu ankern. Später lasen wir in der Seekarte, dass hier das Ankern auf Grund der anfliegenden Flugzeuge nicht vorgesehen war.

Interessanterweise haben wir es geschafft mit den an Bord befindlichen Mitteln das Ruder wieder zu reparieren und so segelten wir weiter nach Nassau. Nachts um 2:00 Uhr kamen wir in Nassau an. Nassau Harbour Control verweigerte uns das Einlaufen in den Hafen, so dass wir uns in der dunklen Nacht durch Korallenriffe wagten, um einen geeigneten Ankerplatz zu erreichen.

Am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass es ein wunderschöner Ankerplatz war und so wurde erst mal ausführlich gebadet. Nach dem Baden wurde leider eine Decksluke durchgetreten und das Netz am Bug neben den Anker eingerissen. Mitsegler stellen das Boot immer auf eine harte Belastungsprobe und dies sollte noch nicht die letzte gewesen sein.

Wir segelten wieder los und meldeten uns über Funk beim Harbour Control an. Diesmal wurden wir gebeten am Kai festzumachen, wo auch die Luxusliner anlegen. Als wir Kurs auf den Kai aufnahmen, wurden wir von der Wasserschutzpolizei abgefangen. Wir mussten mit dem Boot wieder ein Stück aus dem Hafen raus, um vor einem öffentlichen Badestrand zu ankern. Dort machten wir das Beiboot klar. Schnell hatten wir die ersten Einheimischen an Bord, die einfach zu unserem Boot schwammen und sich in die Netze legten. Und das uns jetzt schon bekannte Eincheck- Chaos begann. Zwei von uns fuhren mit dem Beiboot unter Polizeigeleit zurück zum Kai. Von hier aus ging ich an Land, um mich mal wieder durchzufragen wo Immigration und Customs erledigt werden könnte. Dort angekommen sagte man mir, dass das Boot vorgeführt werden müsse. Also wieder zurück zum Boot, auf dem Weg die Polizei informiert. Mit der Pegasus einmal um den Kai herumgefahren um auf die Rückseite zu gelangen. Eine Beamtin schaute einmal von der Ferne auf unser Boot, danach hatten wir zum Glück, ohne große weitere Probleme, Customs und Immigrations erledigt. Eine halbe Stunde später waren wir endlich an unserem vorgesehen Ankerplatz und konnten unseren Landgang vorbereiten.

Am nächsten Abend bargen wir eine Stunde vor Einbruch der Dunkelheit den Anker, um noch schnell im schwindenden Licht die Segel hochziehen zu können. Der Wind frischte gründlich auf. So zogen wir schnell hinaus. Da wir hoch am Wind laufen wollten, knallten wir die Segel kräftig an. So kräftig, dass die Schnellreffs rissen. Wir hielten das Boot unter Motor gegen den Wind, um weiter zu reffen. Doch dann fiel der Motor aus und das Ruder war blockiert. Jetzt trieben wir ohne Motor, ohne Segel und ohne Steuer bei 1,5 Meter Wellenhöhe ziellos dahin. Mit der Taschenlampe leuchteten wir das Wasser ab und entdeckten so ein Seil in unserer Schraube. Schnell stellten wir fest, dass es sich um unser eigene Seil handelte, dass sich vorne beim Anker gelöst hat und durch den Riss im Netz gerauscht ist und hinter dem Boot hergezogen wurde. Dies haben wir jedoch auf Grund der Dunkelheit nicht gesehen. Nach kurzer Beratung entschloss ich mich tauchen zu gehen, um die Welle von dem Seil zu befreien. Da ein Trimaran jedoch auch ohne Segel bei starkem Wind und Wellengang eine Fahrt von 4,5 Knoten machte, mussten wir das Boot vorher langsamer bekommen. Dafür ließen wir den Anker 10 Meter ins Wasser und ließe dicke Trossen im Wasser treiben. Damit konnte die Geschwindigkeit auf 1,5 Knoten reduziert werden, welche vorwiegend die Strömung mit den Wellen darstellte. Zum Glück hatten wir eine leistungsstarke wasserdichte Taschenlampe, so dass das Ankerseil schnell aus der Welle entfernt werden konnte. Nun musste die Welle wieder in die Kupplung. Dies war jedoch schwer zu bewerkstelligen, da die runde glatte Welle in der Hand durchdrehte und aufgrund der Strömung am Boot nicht zur Kupplung ziehbar war. Kurzerhand bauten wir den Kupplungsflansch vom Getriebe ab und installierten ihn auf der Welle. So war es möglich die Welle zum Getriebe hinzuziehen und somit wieder am Motor anzubringen. Endlich konnte der Motor wieder angelassen werden. Im Standgas lief er sehr unruhig, da die Motorfüße beschädigt und verbogen waren. Mit etwas mehr Gas lief der Motor aber wieder ausreichend rund um genügend Fahrt aufnehmen zu können. Unter Motor fuhren wir nun gegen Wind und Welle zurück nach Nassau. Nach kurzer Diskussion mit Harbor Control durften wir den Hafen in der Morgendämmerung wieder anlaufen und schliefen erstmal aus. Aufgrund der negativen Erfahrungen der letzten Tagen entschieden sich zwei auszusteigen. Jetzt gab es nur noch meinen Trauzeugen Holger und mich.

Holger und ich brauchten dann fünf Tage, um die Pegasus wieder so weit zu kriegen, dass wir wieder in See stechen konnten. Ein Auszug aus unseren Tätigkeiten: Mastrutscher ausgetauscht, Luke geflickt, Netz geflickt, Schnellreff entfernt und Bändselreff vorbereitet, Kabel repariert, neuen Proviant gestaut. Wir haben aber auch Sightseeing betrieben. Am besten hat uns Potter’s Pier gefallen, wo wir hauptsächlich Einheimische trafen. Als wir nun endlich los wollten, hörten wir ein lautes Kabong. Das war die Nassauer Wasserpolizei, die unser Boot inspizieren wollte, just in dem Moment in dem wir Anker lichten wollten. Die Wasserpolizei geht nicht zimperlich mit fremden Booten um, Anlegemanöver werden auch schon gerne mal ohne Fender gemacht. Nachdem sie eine Stunde lang mit uns ein Formblatt ausfüllten und an Bord nichts zu beanstanden hatten, legten sie wieder ab. Nun konnten wir endlich lossegeln.

Diesmal sollte uns nichts aufhalten. Wir hatten immer noch starken Ostwind und konnten nicht unseren gewünschten Kurs segeln, so dass wir im Slalom durch die Inselgruppen von Nord Bahamas segeln mussten. Wir fuhren im zweiten Reff und als wir am Stranger’s Cay ankamen, hat sich das Top des Besansegels vom Mast gelöst. Wir erkannten diesmal, dass nicht die Mastrutscher kaputt gegangen sind, sondern die Schiene am Mast abgerissen war. Dies lag daran, dass der Mast und die Segellatten beim zweiten Reff zu steif waren, um eine gleichmäßige Kraftverteilung auf die Mastrutscher auszuüben, und von daher das Achterliek und die Segelwölbung die Mastschiene am Segeltop rausrissen. Wir nähten die Mastrutscher mit Gurtbändern 10 cm von dem Segeltop an und banden den Besan so tief wie möglich am Baum fest, um mit dem Segeltop unter der kaputten Mastschiene zu bleiben. So konnten wir auf der Atlantiküberquerung den Besan zumindest im zweiten Reff nutzen.

Auch hier machten wir ein paar schöne Tauchausflüge, bevor wir erholt am nächsten Morgen lossegelten.

Nun endlich waren wir auf dem offenen Atlantik. Wir hatten um uns rum und vor allen Dingen hinter uns ein kräftiges Gewitter. Wir machten drei Kreuze, dass wir vor dem Gewitter davon segeln konnten. Wir mussten leicht gegen Wind und Wellen ankreuzen und hatten guten Wind, der uns in den Norden brachte. Die Wellen waren doch sehr beeindruckend. Sie waren bis zu sechs Meter hoch. Die Wellen klatschen seitwärts gegen den Rumpf und wir zogen mit bis zu 8 Knoten mit dem zweiten Reff im Groß dahin. So segelten wir drei Tage, bevor wir den Kurs nach und nach mehr gen Osten abstecken konnten. An Hand der Wetterbeobachtungen hatten wir bereits im Vorfeld festgestellt, dass, wenn der Wind nicht richtig ist, wir zunächst weiter gen Norden segeln mussten, um dann später mit Hilfe der Windänderung gen Osten zu gelangen. Dies klappte auch bei uns sehr gut. Nun segelten wir mehr auf Halbwind- bzw. leichtem Vorwindkurs und konnten uns auf dem Schiff wieder besser bewegen, ohne dass uns die Wellen zu sehr hin und her warfen. Holger reparierte das Radio und spielte ACDC ab. So sausten wir - die Wellen von hinten auf rollend - mit tosendem Wind mit bis zu 16 Knoten durch den atlantischen Ozean. Was für ein Gefühl! Solange ACDC lief hatten wir keine Angst mehr, dass etwas passieren könnte.

Nach den ersten drei Tagen Blauwasser segeln, war das Boot von innen feucht. Durch die fortwährende Gischt war es nicht möglich Luks zu öffnen. Im Cockpit Wache zu halten führte zu feuchter, salzhaltiger Kleidung. Da wir uns mit der feuchten Kleidung auf das Bett setzten, waren auch schnell unsere Betten klamm und salzig. Zogen wir uns frische Socken an, so brauchten wir nur in die Kombüse zu gehen, wo wir 99% Luftfeuchtigkeit kondensierend hatten, um wieder nasse Socken zu haben. Diese ewige Feuchtigkeit belastete uns stark. Zunächst wollten wir einen Zwischenstopp auf den Bermudas einlegen, um noch einmal die Wäsche zu waschen und das Boot durchzutrocknen. Aber die Idee verwarfen wir dann doch wieder, da es zu diesem Zeitpunkt ein großer Umweg geworden wäre. Schließlich hatten wir noch drei Tage Flaute in der wir die Lazies  des Groß reparierten, unsere Wäsche wuschen, das Boot durchtrockneten und ausschliefen.   

Durch das Schaukeln dauerten alle Arbeiten die wir taten, dreimal solange. Am Anfang hatte ich noch viele Pläne, was ich alles am Boot machen wollte. Dadurch dass ich mit den mir gesteckten Fleißkärtchen nicht vorankam, wurde ich frustrierter. Schließlich gab ich alle Projekte auf und beschränkte mich darauf, dass Boot am Segeln zu halten und die übrige Zeit zum Ausruhen zu nutzen. So wurde die Überfahrt für uns dann auch viel entspannter.

Leider fiel drei Tage vor Ankunft auf den Azoren der Autopilot aus, so dass wir rund um die Uhr per Hand steuern mussten. Da wir 45 ° zu den Wellen fuhren, mussten wir jede Welle steuern. Dies waren sehr anstrengende Tage. Als wir dann dazu den Besan reffen wollten und die Lazies dabei rissen, so dass das Segel auswehte, war ich nahe dran den Besanmast abzusägen. Bei einem der abendlichen Telefongespräche mit meiner Frau, teilte ich ihr mit, dass sie Recht gehabt hatte und der Kauf der Pegasus eine Fehlentscheidung war. Meine Frau baute mich dann jedoch auf, dass unser gemeinsamer Urlaub sehr schön gewesen wäre und sie das Segeln mit der Pegasus genossen hatte und alles besser werden würde wenn ich erst mal wieder genug Schlaf hätte. Holger hatte mir dies bereits vorher genau so gesagt.

Auf den Azoren angekommen wurden wir für unsere Strapazen belohnt. Die Inselgruppe sieht sehr beindruckend aus. Schroffe Steilküsten mit grünen Wiesen on top. Um die Inseln herum große Tümmler (kleine Delphine) ohne Ende. Meine Frau hatte auf den Azoren eine Werkstatt gefunden, welche unseren Autopiloten reparieren könnte. Wir kamen nach 16 Tagen in Horta an.

Auszug aus dem Logbuch vom 29.05: „Faial, Horta erreicht. Viele Delfine um mich herum. Holger schläft. Genieße den Blick auf die Insel. Ohne Autopilot berge ich das Groß. - In Horta liegen wir zunächst vor Anker. Nach dem Frühstück machen wir an der Kaimauer fest, werden jedoch von dort vertrieben. Dürfen aber längsseits eines schwedischen Dreimasters gehen. Super Boot. Halten Wache, dass kein Unerlaubter an unser Boot kommt. Nette Gespräche mit den männlichen Besatzungsmitgliedern. Lernen Axel mit dem Zweimaster Papagei kenne. Sein Simrad Autopilot ist auch kaputt.“

Wie mein Vater schon im Vorfeld sagte, ist es der Hafen für Atlantiküberquerer auf den Azoren. Im ganzen Hafen haben sich überall die unterschiedlichen Yachten mit Zeichnungen und Daten verewigt. Der Hafen ist sehr bemüht, trotz des großen Ansturms im Mai und Juni, allen einen sicheren Platz im Hafen zu geben. Die Menschen in Horta sind ruhig und gelassen und sehr freundlich. Beeindruckend ist auch das Wetter. Es regnet hier eigentlich nie, tagsüber Sonnenschein und trocken in der späteren Nacht kondensiert die Luftfeuchtigkeit, welche alle Felder bewässert. Die Ortschaft strahlt Gemütlichkeit aus. Wir hielten uns hier fünf Tage auf, erholten uns, wuschen unsere Kleidung, genossen die guten landwirtschaftlichen Produkte und versteuerten unser Boot. Nach dem wir unser Boot mit frischen Proviant bestück hatten, freuten wir uns auf die letzte Woche unsere Atlantiküberquerung. Wir haben uns nicht in Horta verewigt, da wir keine Farbe dabei hatten. Aber mir hat es hier so gut gefallen, dass ich mit meiner Familie herkommen werde, und dann werde ich beide Termine auf einmal verewigen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Auch hier fuhren wir vorerst gen Norden, bevor der Wind es zuließ, dass wir unseren Kurs östlicher abstecken konnten. Mit funktionsfähigem Autopiloten konnte ich nun auch die regelmäßig am Boot auftauchenden großen Tümmler genießen. Ich setzte mich in den Bugkorb und beobachtete diese faszinierenden Tiere, wie sie unser Boot für eine halbe Stunde begleiteten, aus dem Wasser sprangen um die Rümpfe tummelten, bevor sie wieder ihre Richtung änderten.

Nach zwei Tagen fuhren wir in eine Flaute, die wir mit Dieselwind bekämpften. Nach eineinhalb Tagen motoren, wurde ich durch lautes Piepen geweckt. Diesel war alle und die Öldruckwarnung weckte mich. Nachdem wir 100 l Diesel nachgefüllt hatten und den Motor entlüfteten liefen wir noch sechs Stunden unter Motor weiter. Wir schalteten den Motor aus, da uns die Lautstärke nach 48 Stunden entnervte und wir Ruhe nötig hatten. Wir dümpelten bei ca. 5 Knoten im Vorwindkurs dahin und machten das Boot für die nächste angekündigte Starkwindphase klar.

Schließlich nahm der Wind immer mehr zu, wobei wir Geschwindigkeiten von über 10 Knoten hatten. Da der Wetterbericht nun schon einige Tage alt war, waren wir in großer Sorge, dass die Starkwindphase immer mehr zunehmen könne und wir durch zu spätes Reffen in gefährliche Situationen kommen konnten. Leider haben wir meine Frau zunächst nicht über Satellitentelefon erreichen können, ihr Schlaf war nachts zu gut. Später versuchte sie mich zurück zu rufen, da aber bei eingestecktem Headset das Satellitentelefon nicht laut klingelt, hörten wir Britts Anrufe nicht. So wurde sie auch immer nervöser. Da das Telefon kurze Zeit später automatisch noch unsere Koordinaten durchgab, die mit unserer Reisegeschwindigkeit übereinstimmten, entschließ sie sich noch ein paar Stunden zu warten. 20 Minuten vor Ablauf der ihr gesetzten Frist, kam dann endlich eine Verbindung zustande.

Wir machten Etmals von über 200 Seemeilen am Tag und hoffen so auch weiterhin zügig durch den Ärmelkanal und die Nordeuropäische Küsten zu segeln. Da in Landnähe der Wind jedoch erheblich abnahm, sank unser Etmal im Ärmelkanal auf 140 Seemeilen und fiel danach weiter ab.

Wir verschoben unser Ankunftsziel in Europa mehrfach zwischen Nordspitze Frankreichs und Borgstedt. Schließlich entschieden wir uns für das Ijsselmeer, da die Häfen dort nicht den Gezeitenströmungen unterliegen. Auf dem Weg dorthin wurden wir von der niederländischen Marine angefunkt, ob wir Hilfe bräuchten, da wir mit eineinhalb Knoten aufgrund von mangelndem Wind dahin dümpelten. Schließlich erreichten wir das Ijsselmeer wo wir zum Glück gerade noch durch die Schleuse passten.

Nachdem wir das Schiff aufgeklart hatten, holte mein Vater uns ab. Wir nahmen nur das nötigste mit, und dennoch war sein Auto voll bis unters Dach. So beendeten wir die Atlantiküberquerung zunächst in Holland. Erst drei Wochen später holten mein Vater und ich das Boot mit besseren Winden aus Holland ab. Aber leider reichte es nicht bis Borgstedt. Es blieb weiter spannend, denn die Sicherungsmutter von der Motorkupplung löste sich, wodurch die Welle erneut gegen das Ruder rutschte und wir somit mit Ruderblockade dahin segelten. Nachdem wir die Welle mit Spanngurten sichern konnten, konnten wir bis zur Tonne 21 auf der Elbe weitersegeln. Freundlicherweise hat uns das Beiboot des Rettungskreuzers nach Cuxhaven reingeschleppt, wo wir die Pegasus reparieren ließen. Eine Woche später kam ich dann endlich - jetzt aber mit meinem Sohn und einem Freund in Borgstedt an.

Eine Atlantiküberquerung ist alles in allem ein Abenteuer, das einen vor allen Dingen starken psychischen Belastung aussetzt. Zu zweit war besser als zu viert, dann wäre nämlich sicher einer beim Pinkeln über Bord gegangen weil er zu viel nervte. Bei der Technik gibt es heute viele Spielereien, die nützlich sind. Entscheidend ist jedoch, dass man sich darauf einstellt einige Sachen reparieren zu müssen, um weiter gut voran zu kommen. Am Anfang habe ich mich darüber geärgert, dass bei den Dichtungen der Seitenluken Wasser durchrinnt. Nachdem eine Welle jedoch derartig gegen die Seitenwand dengelte, dass das Geschirr aus dem Reck in die Dusche flog, war ich beeindruckt dass sie dem Wellendruck stand hielten.